Der Komponist IgnazReimann
wurde am 27.12.1820 im vielbesuchten schlesischen Wallfahrtsort Albendorf geboren. Schon in jungen Jahren zeigten sich bei dem kleinen Ignaz Neigung und Talent zur Musik. Kaum 8 Jahre alt nahm er am Violinunterricht teil, den sein Vater – ein Kirchenmusiker – einigen Jungen gab. Der Schullehrer und Kantor Florian Nentwig wurde auf das musikalische Talent aufmerksam und bildete den Knaben im Orgelspiel aus. Im Alter von 10 Jahren beherrschte er das Orgelbassspiel und vertrat seinen Lehrer zu aller Zufriedenheit an der Orgel der heimatlichen Wallfahrtskirche. Im Violinspiel erreichte er eine erstaunliche Geschicklichkeit und es gab kaum ein Instrument, auf dem er nicht sein Glück versuchte. Mit den Fortschritten die er machte, wuchs auch die Begeisterung für die Musik. Mit nur 12 Jahren war er in der Lage, für jeden Instrumentalisten des Kirchenorchesters einzuspringen. Früh wurde der junge Reimann von seinem Lehrer zum abschreiben von Noten angeleitet, was er korrekt, sauber und schnell ausführte.
13jährig unterstützte er den Vater beim Spielen von Tanzmusiken in Gasthäusern, da die Entlohnung, die Reimanns Vater für die Kirchenmusik erhielt, nicht zum Lebensunterhalt der Familie ausreichte. Dabei machte er sich die Spielpausen zu Nutze, um in den Notenheften den Zusammenhang der einzelnen Stimmen zu studieren. Dies setzte er zu Hause fort und bald versuchte er nach dem Muster eines Stückes ein eigenes nachzubilden, legte es den Streichern und Bläsern bei der nächsten Tanzmusik vor und freute sich, dass das Stück harmonisch klang und gefiel. Mit diesem Erfolg nahm seine Schaffenslust zu. Bei seinem vortrefflichen Tongedächtnis war Reimami schon als Knabe imstande jedes gehörte kurze Musikstück auf dem Klavier nachzuspielen und in Noten zu setzen. Er erhielt hierzu weder durch einen Leiner noch durch ein Lehrbuch eine Anleitung, sondern betrieb reines Selbststudium. Erst in späteren Jahren lernte er die ausfuhrlichen Generalbasslehren von Türk und Beethoven keimen.
zum stellvertretenden Lehrer nach Oltaschin, einem Dorf bei Breslau, berufen. Fünf Monate später trat er in das kath. Schullehrer-Seminar zu Breslau ein, das er von 1838 – 1841 besuchte. Dort übertrug der hier nebenamtlich wirkende Musikdirektor und Domkapellmeister Joseph Schnabel seinem talentvollen Zögling wegen dessen hervorragenden musikalischen Leistungen das Amt eines Musikleiters im Seminar. Schon während dieser Zeit komponierte Reimann bereits Psalmen und andere kirchliche Tonstücke, die viele seiner Mitschüler abschrieben und in die Heimat schickten. Nach Abschluss des Seminars amtierte Reimann 2 Jahre als Hilfslehrer in Niederhannsdorf bei Glatz. Dort verbrachte er einen großen Teil seiner Freizeit beim Musizieren mit Gleichgesinnten. Nach seiner Versetzung nach Rengersdorf, wo er 1851 die Nachfolge des Schullehrers Seidelmann antrat, erkamite er in seinem Amte als Chordirigent die missliche Lage der damaligen Kirchenmusik. Der Mangel an ernsthaften und gut singbaren Werken brachte ihn dazu, es als seine Lebensaufgabe zu betrachten, eine Brücke zu schlagen zwischen der alten und der neuen Kirchenmusik. Die Reimannschen Kompositionen fanden Anerkennung und schnelle Verbreitung in Schlesien, Bayern, Österreich und selbst im fernen Amerika. Aus allen Gegenden bekam der Komponist ermunternde Dankschreiben.
Einen Beweis von der Schaffenskraft dieses genialen Mannes liefert ehie Zusammenstellung semer Werke. Reimami komponierte: a) für die Kirche: 125 Messen, 19 Requien, 6 Te Dei, 117 Offertorien, 122 Graduale, 37 Litaneien, 34 Salve, 33 Alma, 14 Ave Regina, 10 Regina coeli, 10 Asperges, 6 Vidiaquam, 5 Miserere, 88 Begräbnislieder, 7 Kantaten, 2 Sätze Fronleichnamsstationen und 6 Vespern. b) für den Konzertsaal: Ouvertüren, Märsche, Symphonien, Oratorien, Tänze, Tonstücke für Männerstimmen und für gemischte Chöre, Lieder, Solopiecen. Außerdem verfasste Rennann eine praktische Harmonielehre und eine Gesangschule, die aber nur im Manuskript vorhanden sind. Von den angeführten Tonstücken sind bis zum Tode des Komponisten nur 160 Nummern gedruckt worden. Das Verzeichnis seiner Werke weist rund achthundert Nummern nach. Hinzu kommen noch die zahlreichen Gelegenheitskonipositionen, die er jederzeit auf Wunsch anfertigte. Viele seiner Werke sind jedoch verschollen, da er sie freigiebig verlieh und oftmals nie zurück erhielt. Sicherlich sind noch einige in seiner Heimat vorzufinden, wo sie in Kirchenarchiven schlummern.
Nach der Genesung von einem Nervenfieber, das ihn ein Vierteljahr ans Bett fesselte, war Reimann schwerhörig geworden. Obwohl sich die Schwerhörigkeit jährlich steigerte, was ihn in seinem Lehramt sehr störte, hinderte sie ihn sonderbarerweise nur wenig an seiner Tätigkeit als Dirigent und praktischer Musiker. Seine Tätigkeit im Komponieren wurde durch das Gehörleiden eher gefördert als gestört; denn da ihm der mündliche Gedankenaustausch erschwert wurde, blieb er mehr auf den Umgang mit sich und seinen Ideen angewiesen. Durch sein ausgezeichnetes Tongedächtnis war Reimann in der Lage, beim Komponieren Einzelstimmen sofort ins Reine zu schreiben und auch einem Freund, dem vor einem Konzert die zweiten Stimmen von Klarinette und Violine einer Suppeschen Ouvertüre fehlten, konnte er sofort helfen. Eine Vesper zum Dreifaltigkeitsfest in Rengersdorf schrieb er binnen 24 Stunden. * Auch als Präparandenbildner hatte Reimann einen guten Ruf. Er bildete die jungen Leute meist unentgeltlich, oft auch noch bei freier Kost und Logis aus, wobei er den Schwerpunkt auf die Musik in Theorie und Praxis legte. Die von ihm ausgebildeten Präparanden waren in den Seminaren wegen ihrer guten Leistungen in der Musik gern gesehen, und so mancher erwarb sich später als Dirigent, Komponist oder praktischer Musiker einen guten Namen. Reimann war sein Leben lang ein Freund fröhlicher Gesellschaft und er war ein herzensgütiger Mensch und guter Unterhalter. Seine ehemaligen Schüler machten immer gerne von seiner Gastfreundschaft Gebrauch und der kleine, untersetzte Mann mit dem freundlichen runden Gesicht wurde auch von den Grafschafter Lehrern wie ein Patriarch geliebt und hochgeschätzt, was ihm den Ehrentitel Vater Reimann” einbrachte. Mit seiner Frau, mit der er 35 Jahre in glücklicher Ehe lebte, hatte er zwei Söhne und eine Tochter. Der ältere Sohn, Dr. Heinrich Reimann, wurde als Königlicher Bibliothekar und Oberorganist an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin sehr bekannt, und der jüngere, Franz Reimann, wurde Chorrektor und Hauptlehrer zu Striegau in Schlesien. Im Jahre 1884 erlitt Reimann einen Schlaganfall, der außer der teilweisen Lähmung seines rechten Armes und der Hand eine Lungenerweiterung zur Folge hatte, die ihm das Atmen und Gehen sehr erschwerte. Er ersuchte also nach 45 Jahren um seine Versetzung in den Ruhestand. Diesem Ansinnen wurde zum 1. Juli 1885 entsprochen. 14 Tage vor diesem Termin veranstaltete die Gemeinde Rengersdorf ihm zu Ehren eine Abschiedsfeier, zu der sich viele ehemalige Schüler, Kollegen und Freunde versammelten. Seinen Plan, den Ruhestand in Muße zu verbringen, durchkreuzte schon 3 Tage später ein zweiter, tödlicher Schlaganfall. Er starb am 17. Juli 1885. Seine Beerdigung legte noch einmal Zeugnis davon ab, wie groß die Zahl seiner Anhänger und Verehrer war. Reimann hat stets in bescheidenen Verhältnissen gelebt und ist gestorben, ohne Vermögen zu hinterlassen. Nur sein Verleger ist, wie er öfters scherzhaft und völlig neidlos erzählte, durch ihn reich geworden. Anerkennungsschreiben wurden ihm schon zu Lebzeiten vielfach, vor allem aus der Geistlichkeit, übersandt; manchmal auch kleinere Summen zur Unterstützung der Präparandenausbildung. Das Allgemeine Ehrenzeichen, das ihm zum Abschied in Anerkennung seiner Verdienste von der vorgesetzten Behörde zugedacht worden war, erreichte ihn jedoch nicht mehr. Mag auch der für Gottes Ehre begeisterte Komponist keine materiellen Güter gesammelt haben, so ist doch sein Nachlass an Tonwerken für die Kirchenchöre von unschätzbarem Wert, und in diesen Werken wird er fortleben.
Präparand: jemand, der sich auf das Lehrerseminar vorbereitet
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